Apple Watch Series 3: Die Unabhängigkeitserklärung der Smartwatch vom iPhone

Die brandneue Apple Watch Series 3 ist leicht zu erkennen am roten Punkt auf der Digital Crown. Foto: S. Tegtmeyer

Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Start hat Apple endlich die dritte Version seiner beliebten Smartwatch auf den Markt gebracht. Die Apple Watch Series 3 kommt mit mehr Rechenleistung, Höhenmesser und endlich mit der lang erwarteten Telefonfunktion. Da stellt sich natürlich die Frage: Ist der neue Zeitmesser ein Kauf wert? Und wie schneidet die neue Top-Uhr des Herstellers aus Cupertino gegenüber den Vorgängern ab? Wir haben die neuen Modelle verglichen.

Als Mitte September bei der Keynote im Steve-Jobs-Theatre des beeindruckenden, neuen Apple-Hauptquartiers in Cupertino das neue randlose Super-Handy iPhone X, die neuen Smartphone-Modelle der 8er-Serie und das Apple TV 4K vorgestellt wurden, gab es dennoch für viele Zuschauer einen heimlichen Star: Die brandneue Apple Watch Series 3 wurde präsentiert und beinhaltet neben GPS auch einen Höhenmesser und LTE zum Telefonieren. Das macht das Modell endlich unabhängig vom iPhone und ist hilfreich, um neue Funktionalitäten auf das Gerät zu bekommen. Dies hatten sich die Kunden bereits seit der ersten Version gewünscht. Für viele Fans der Hightech-Uhr war die Telefonfunktion deshalb offensichtlich ein lang ersehntes Feature, das nun endlich zur Verfügung steht.

Dementsprechend stellt sich das neue Modell auch als äußerst beliebt heraus. Kaum war die Uhr bestellbar, schnellten die Lieferzeiten in die Höhe und lagen zeitweise bei vier bis sechs Wochen. Auch im Apple Store ist sie häufig nicht erhätlich, aktuelle Vorbestellungen sollen sogar erst im November ausgeliefert werden. Scheinbar gibt es einen neuen Shootingstar auf dem Smartwatch-Markt. Schaut man sich jedoch die aktuelle Produktpalette der Apple Watch an, fällt schnell auf, das ein wichtiges Modell nach dem Upgrade fehlt.

LTE, schnelle Prozessoren und vor allem unabhängig vom iPhone: Auf die neue Apple Watch 3 haben Fans lange gewartet. Foto: Apple

Eine Lücke in der Produktpalette

Das neue Top-Modell unter den Smartwatches ist die Apple Watch Series 3 GPS und Cellular, die erstmals mit LTE erscheint. Daneben gibt es eine Variante der 3er-Serie ohne Telefonfunktion, die ansonsten die gleichen Spezifikationen aufweist. Alle Modelle gibt es weiterhin in einer 42-Millimeter- und einer 38-Millimeter-Variante. Zudem in den Versionen Aluminium, Edelstahl („stainless steel“) und Keramik. Aber dann kommt die Überraschung: Neben den neuer 3er-Modellen wird nicht etwa der direkte Vorgänger, die Series 2, weiterhin angeboten, sondern die Apple Watch Series 1, die stark auf dem allerersten Modell von 2015 beruht. Wie kann das sein? Denn für gewöhnlich setzt Apple nach der Vorstellung eines neuen Produkts darauf, das direkte Vorgängermodell weiterhin vergünstigt im Verkauf zu halten. Sprich: Eigentlich müsste die Series 2 weiterhin im Angebot sein. Sie ist jedoch gestrichen worden. Die weiterhin verfügbare Series 1 gibt es dafür zu einem sehr günstigen Einstiegspreis – allerdings ausschließlich als Aluminium-Variante mit Sportarmband. Worin unterscheidet sich also das Einsteiger- vom Top-Modell?

Die Spezifikationen der Apple Watch Series 3 im Vergleich zur Series 1

Man muss ganz deutlich sagen: Die erste Apple Watch wurde von vielen Kritikern und auch von eingefleischten Apple-Fans nicht ernst genommen. Sie war langsam, unausgereift und hatte einfach noch zu viele Kinderkrankheiten. Bis auf hartgesottene „Early Adopters“ war die Watch 1 nicht gerade ein Hit. Das änderte sich im vergangenen Jahr mit der Apple Watch Series 2 und dem Begleitmodell, der Series 1, die allerdings noch auf den Spezifikationen der ersten Uhr beruhte. Mit der dritten Baureihe wird der Zeitmesser endlich erwachsen. Es sei die Uhr, die man von Anfang an habe bauen wollen, hat das Unternehmen bei der Präsentation erklärt. Was zeichnet die Apple Watch Series 3 aus und was genau unterscheidet die aktuell angebotenen Modelle voneinander?

Prozessoren

Schon bei den Prozessoren legt die Apple Watch Series 3 ordentlich zu. Ein schneller Dual-Core Prozessor und die zweite Version des Apple Wireless Chip „W2“ treiben die aktuelle Hightech-Uhren sowohl in der „GPS“- als auch in der „GPS + Cellular“-Variante an. In der Series 1 hingegen rechnet einfach noch der „S1P“-Dual‑Core-Prozessor. Auch hier fällt der mittlere „S2“-Chip aus der zweiten Watch-Variante weg. Der Prozessor der 3er-Uhr soll bis zu 70 Prozent schneller sein als der Vorgänger. Der „S1P“ hingegen scheint etwas aus der Zeit gefallen und erinnert doch sehr stark an die Zeiten des ersten Modells im Jahr 2015, als manche Apps zehn Sekunden oder länger brauchten, um sich zu öffnen.

Die Apple Watch gibt’s in vielen Kombinationen mit unterschiedlichen Armbändern – Preiswerte und hochwertige Armbänder von Drittanbietern sind oft eine gute Alternative. Foto: S. Tegtmeyer

Features der Apple Watch Series 3 im Vergleich zur Series 1

Bei den Features der Apple Watch Series 3 hat sich der Hersteller nicht lumpen lassen. Die brandneue Top-Smartwatch kommt mit GPS, LTE, barometrischem Höhenmesser, ist bis 50 Meter wasserdicht, besitzt einen Herzfrequenzmesser, Beschleunigungssensor, Gyrosensor für Richtungsänderungen, Umgebungslichtsensor und kommt in der Top-Version mit sprechender Siri, 16 GB Speicher und einem hochwertigen Gehäuseboden aus Keramik. Die zweite Variante der Apple Watch Series 3 hat nahezu die gleichen Eigenschaften. Sie hat jedoch nur 8 GB Speicher, einen Gehäuseboden aus Kompositmaterial und eben kein LTE. Sonst ist sie mit dem Top-Modell nahezu identisch – und 80 Euro günstiger als das Highend-Modell (UVP des Herstellers). Am unteren Ende steht die Apple Watch Series 1. Ihr fehlen GPS, LTE, Höhenmesser, sie hat kein sprechendes Siri, hat ebenfalls nur 8 GB und einen Gehäuseboden aus Kompositmaterial. Außerdem ist sie lediglich leicht gegen Spritzwasser geschützt. Dafür hat sie einen fantastischen Einstiegspreis: Für 269 Euro kann man mit ihr in die Welt der Apple-Smartwatches eintauchen und spart damit knapp 180 Euro gegenüber der Oberklasse.

Zubehör: Apple Watch Armbänder passen noch

Es mag strittig sein, dass die Apple Watch in der dritten Version immer noch nahezu das gleiche Design von 2015 hat. Viele Fans der Uhr haben längst auf eine Erneuerung der Optik gewartet. Darauf muss wohl vorerst weiter gewartet werden. Ein Vorteil des gleichbleibenden Designs liegt jedoch auf der Hand: Die tollen Apple-Watch-Armbänder passen alle noch! Egal ob Gliederarmband, Milanaise, Sportarmband oder Lederarmband. Auch in der dritten Edition der Uhr bleibt die Sammlung von Armbändern erhalten, die viele Träger der Smartwatch mittlerweile gesammelt haben.

Fazit zur neuen Smartwatch: Endlich unabhängig und frei!

Ja, die Apple Watch Series 3 ist ganz klar ein Kauf! Mit der LTE-Funktion und dem schnelleren Prozessor ist sie endlich unabhängig vom iPhone und wird gerade bei vielen Sportarten zu einem perfekten Begleiter, während das iPhone samt Schutzhülle nun getrost Zuhause bleiben darf. Sprachanrufe, Mitteilungen und Emails können nun über LTS und UMTS empfangen werden. Schaut man sich die Features an, wird sofort klar, warum Apple die Series 2 aus dem Programm genommen hat. Sie war sich einfach zu ähnlich mit der aktuellen 3er-Variante. Stattdessen hat man die Apple Watch Series 1 am Low-End positioniert, um Interessenten einen günstigen Einstieg in die Smartwatch-Welt zu ermöglichen. Was die Ausstattung anbelangt, ist die Series 1 wohl nicht mehr so recht zeitgemäß. Für eher rudimentäre Zwecke wie das Zeitablesen und die einfache Herzfrequenzmessung sollte die Uhr aber problemlos ausreichen. Wer hingegen zeitgemäß das State-of-the-Art-Modell mit anspruchsvollen Funktionen nutzen möchte, dem sei die Apple Watch Series 3 mit GPS und LTE ans Herz gelegt. Die Uhr ist unter technischen Gesichtspunkten ein klarer Kauf und wird den Trägern eine neue Freiheit im Alltag ermöglichen!

Von Sascha Tegtmeyer

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